Vereinspolitik fand auf der Kerns-Brücke statt. Idealismus und Kameradschaft – diese beiden Worte galten in jener Zeit viel. Oft mussten die Spieler zu den Wettkämpfen per Fuß oder auf einem Leiterwagen anfahren. Hohe Spielresultate waren gang und gäbe, denn es gab noch kein Abseits, von Spielsystemen gar nicht zu reden. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise mussten viele Spieler bezuschusst werden, oder die, die in Arbeit standen, halfen den anderen Kameraden. Da war noch ein Karlsruher, der auf unerfindliche Weise für eine Flasche Wein einen Ball beschaffen konnte.
Das schlechte Spielfeld sorgte immer wieder dafür, dass die Spieler mit Dreck und Speck durch das Dorf nach Hause gehen mussten, da keine Waschgelegenheit vorhanden war. Ein Vorteil des „Ackers“ wurde bekannt: Als ein Nöttinger Spieler alleine vor dem Torwart „Kipp“ auftauchte, spritzte dieser dem Mittelstürmer mit dem Fuß eine Lehmbrühe ins Gesicht und die Gefahr war gebannt. Als Hugo Seemann seinem Wildbader Gegenspieler mitteilte, dass nun Ellmendingen aufgestiegen sei und nicht Wildbad, legte sich dieser flach auf den Boden und weinte.
Max Fieß wusste nach einem Auswärtsspiel in Gräfenhausen angeblich eine Abkürzung in den Weinort. Nach einiger Zeit Fußmarsch kamen die geplagten Fußballer in Arnbach an. Anstatt zum Konfirmandenunterricht zu gehen, sei man nach Calmbach gelaufen und hätte dort ein Spiel bestritten. Das Training (wer gerade da war) fand am Sonntagmorgen statt und dauerte nicht selten bis nachmittags drei Uhr.
Nach dem Krieg sind die Verantwortlichen durchs Dorf gelaufen und haben interessierte Männer persönlich zum Fußballspielen gebracht. Die Vereinspolitik sei auf der „Kerns-Brücke“ gemacht worden. Ohne diese Kameradschaft gäbe es mit Sicherheit keine Chronik der Fußballabteilung.